November 9th, 2016 — EMA Allgemein

1. Internationales Seminar: familiäre Landwirtschaft und Produktion von Lebensmitteln

Santa Luzia do Paruá, Maranhão, Brasilien 09.11.2016

Kleinbauern und Landarbeiter aus den Städten Santa Luzia do Paruá, Maranhãozinho und Presidente Medice sowie eine Gruppe von 14 jungen Menschen aus der Region Westfalen, Deutschland nahmen am ersten Internationalen Seminar zu Familiärer Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion teil. Das Seminar fand am 09.11.2016 in Santa Luzia do Paruá statt und wurde von der Organisation „Associação Educação e Meio Ambiente“ (EMA) – Vereinigung für Bildung und Umweltschutz, durchgeführt. Die EMA ist von der regionalen Verwaltungsbehörde des brasilianischen nationalen Instituts für Kolonialisierung und Agrarreform (INCRA) für die technische Assistenz und die ländliche Ausweitung (ATER) für Ansiedlungsprojekte in der Region Alto Turi unter Vertrag genommen.

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Insgesamt nahmen 128 Personen an dem Seminar teil, neben den deutschen und brasilianischen Landwirten auch Vertreter öffentlicher Institutionen und der lokalen Politik sowie Fachpersonal der EMA und des INCRA. Die Idee zur Organisation und Umsetzung des Seminares sowie des Austausches zwischen deutschen und brasilianischen Landwirten ging von der Präsidentin der EMA aus, Maria Elisabeth Detert, die als Deutsche in Brasilien lebt und arbeitet.

„Immer wenn ich nach Deutschland gereist bin, um Vorträge zu halten, bin ich zu meiner Arbeit mit den Landwirten in Maranhão gefragt worden und habe unter den deutschen Landwirten großes Interesse erfahren. Also haben wir im Rahmen des Vertrags zur technischen Assistenz (ATER) mit dem INCRA dieses internationale Seminar zwischen brasilianischen und deutschen Landwirten organisieren können, um Austausch und Diskussionen zu ermöglichen“, so Maria Detert. Die Reise der Gruppe der Deutschen wird über die katholische Kirche, genauer die Landjugendbewegung realisiert, in Kooperation mit der Landpastorale in Cajazeiras, wohin die Gruppe im Anschluss an das Seminar weiterreisen wird.

Die Themen des Seminars beinhalteten unter anderem die brasilianische Politik zur Agrarreform mit einem Beitrag von Laurilene Muniz (INCRA) sowie kleinbäuerliche und familiäre Landwirtschaft in den Ansiedlungsprojekten in der Region mit einem Beitrag von Maria Elisabeth Detert (EMA). Weiterhin sprach der Professor Christoph Gehring der staatlichen Universität (UEMA) über die Herausforderungen der familiären Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion für eine stetig wachsende und zunehmend in Städten lebende Weltbevölkerung. Der aus der Landwirtschaft stammende Pater Bernd Hante aus der Diözese Münster berichtete über praktische Aspekte der familiären Landwirtschaft in Deutschland.

Die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem internationalen Austausch sind insbesondere wertvoll für Reflexionen zu Strategien und Arbeitsweisen für die Produktion von Lebensmittel bei gleichzeitigem Erhalt und nachhaltigem Umgang mit der Umwelt. Dies bedeutet nicht, die Strategien des einen oder anderen Landes zu übernehmen, sondern die Unterschiede in Bezug auf die klimatischen Gegebenheiten zu beachten und Strategien zu identifizieren, die die Ernährungssouveränität sowie die familiäre Landwirtschaft stärken.

Der Leiter der Gruppe der deutschen Landjugend, Bernd Hante, hob für die deutsche Landwirtschaft zwei Fragen besonders hervor: die Bewahrung des Bodens (um auch den kommenden Generationen nutzbare Flächen zu garantieren) sowie die Landwirtschaft für junge Generationen attraktiv zu machen. Weiterhin wurde betont, dass der eigene Besitz und die Freiheit die größten Werte sind, „Verliere nie deine Freiheit und kümmere dich gut um deinen Besitz“, so Bernd Hante.

Die Landwirtin Luzia Gomes Araújo äußerte, dass die brasilianischen Kleinbauern in den Ansiedlungsprojekten einen hohen Bedarf an technischer Unterstützung durch das Fachpersonal der EMA über das Programm ATER haben, da neben dem durch die Agrarreform geschaffenen Besitz auch die notwendigen Fähigkeiten zur Produktion und Erhaltung ausgebildet werden müssten. Sie gab zudem an, dass „ein größeres Interesse der Stadtverwaltungen für die kleinbäuerliche und familiäre Landwirtschaft notwendig ist“.

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